Artikel: DB startet Pilotprojekt zu emissionsreduziertem Bauen in Kassel
Um die Emissionen aus den steigenden Bauaktivitäten im Schienennetz zu reduzieren, will die Deutsche Bahn in den kommenden Jahren verstärkt emissionsreduzierte Baustoffe und Materialien einsetzen. Daher erprobt DB InfraGO im Bahnprojekt „Kurve Kassel“ erstmals den Einsatz innovativer Betone im größeren Maßstab. Ziel ist es, umweltfreundliche Baustoffe unter realen Bedingungen zu testen und perspektivisch im Bahnbau breiter einzusetzen.
Gemeinsam mit der Universität Kassel, dem Bundesministerium für Verkehr, Gutachtern und Ingenieuren sowie dem Eisenbahn-Bundesamt untersucht die DB, ob die emissionsreduzierten Betone den hohen Anforderungen an Sicherheit, Dauerhaftigkeit und technische Umsetzbarkeit gerecht werden.
Konkret kommt der Spezialbeton beim Bau einer Stützwand südlich des ICE-Bahnhofs Kassel-Wilhelmshöhe zum Einsatz. Dort verarbeitet die DB verschiedene Betonrezepturen, die im Anschluss umfassend ausgewertet werden.
Innovation für klimafreundliches Bauen
Die in Kassel verwendeten Betone unterscheiden sich von herkömmlichen insbesondere dadurch, dass sie ohne Zement hergestellt werden, der für einen Großteil der Emissionen verantwortlich ist. Um dennoch dieselben oder bessere Eigenschaften zu erreichen, kommen bei der Herstellung spezielle Verfahren zum Einsatz.
Die Erprobung ist ein wichtiger Schritt, um solche Materialien künftig regelkonform im Bahnbau einsetzen zu können. Denn bislang schließen technische Normen und Regelwerke ihren breiten Einsatz häufig noch aus. Die im Pilotprojekt gewonnenen Erkenntnisse sollen deshalb in die Weiterentwicklung der DB-internen Regelwerke einfließen.
Von der Forschung in die Praxis
In der Zusammenarbeit untersucht die DB nicht nur die technische Leistungsfähigkeit, sondern auch ökologische und wirtschaftliche Aspekte. So könnten alternative Materialien künftig nicht nur Emissionen reduzieren, sondern unter bestimmten Bedingungen auch Kosten senken.
Das Pilotvorhaben ist Teil des Projekts „Kurve Kassel“, mit dem Engpässe im Bahnnetz beseitigt und die Leistungsfähigkeit der Infrastruktur verbessert werden soll. Dabei entsteht nördlich von Kassel eine Verbindungskurve zwischen den Strecken Warburg–Kassel und Hann. Münden–Kassel. Das Bundesministerium für Verkehr finanziert den Einsatz der emissionsreduzierten Betone.