Lebensraumschaffung für Fische
News
02.10.2019

ICE-Strecke bringt an der Lahn Fische stromaufwärts

In Mittelhessen nutzen Fische die Treppen: Fischaufstiegsanlagen der DB bringen Natur und Bürgern der Gießener Lahnregion einen Mehrwert.

Fischaufstiegsanlagen, sogenannte „Fischtreppen“, errichtete die Deutsche Bahn in Gießen als ökologische Bauausgleichs­maßnahme zur ICE-Hochgeschwindigkeitstrecke Frankfurt - Köln für die Wiederansiedlung des Lachses und anderer Wanderfische im Lahnsystem.

Hierdurch können Fische, Krebse und andere Wasserbewohner stufenweise und mit Becken zum Ausruhen - insbesondere für die nicht so „starken“ Schwimmer - die Höhenunterschiede an Wehren überwinden. Eine Besonderheit der Anlage an der Klinkel’schen Mühle ist die unterirdische Beobachtungsstation. Von dort aus kann die Wanderung der Fische beobachtet und wissenschaftlich ausgewertet werden. Auch für die Öffentlichkeit ist die Station zugänglich. Besucher können durch das „Lahn-Fenster“ die heimischen Fischarten wie Barsch und Aal vorbei schwimmen sehen.

Der entstandene Mehrwert für Natur und Bürger wird seitens der Deutschen Bahn sehr begrüßt. Eine Ausgleichsmaßnahme der DB im hessischen Hanau wurde vor zwei Jahren mit dem UN-Dekadenpreis ausgezeichnet. Die Synergien sind dort ähnlich gelagert wie in Gießen: „Es macht große Freude zu sehen, dass sich die Naturschutzmaßnahme auch hier in Gießen so erfolgreich entwickelt hat“, sagt Martina Lüttmann, Referentin Naturschutz und Biodiversität, Deutsche Bahn. „Denn die vor zwölf Jahren gestartete Maßnahme war wichtiger Bestandteil des Programms zur Wieder­ansiedlung des Lachses und anderer Wanderfische im Lahnsystem.“

Mit Einführung der Kompensationsverordnung hatte damals das Land Hessen die Voraussetzungen geschaffen, das „Gießener Modell“ auf andere Projekte zu übertragen. Als erster Baustein der Vision einer ungehinderten ökologischen Durchgängigkeit der Lahn über Stadt und Ländergrenzen hinweg, wurden mit den Fischaufstiegsanlagen an der Sohlschwelle Heuchelheim und der Klinkel’schen Mühle die ersten beiden der drei Wehranlagen der Lahn im Stadtgebiet für Fische und andere Kleinstlebewesen passierbar gestaltet.

Nachdem alle Hindernisse wie beispielsweise die Sperrstufe bei Lahnstein mit solchen Aufstiegsanlagen ausgestattet waren, konnten auch wieder Wanderfische wie der Lachs den Weg nach Gießen finden. Insgesamt wurden als ökologischer Ausgleich zehn Fischaufstiegsanlagen von der Deutschen Bahn finanziert. Sechs am Elbbach, einem Nebenfluss der Lahn, vier an der Lahn selbst. Neben den oben genannten Anlagen wurden auch noch zwei weitere Fischtreppen in der Lahn in Kirschhofen und am Lahnwehr in Gießen errichtet.