Lärmschutzbericht 2019: Innovationen

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Arbeiten an einem ruhigeren Morgen

Innovationen

Ziel der Deutschen Bahn ist es, den Lärmschutz an der Infrastruktur auf ein neues Level zu heben. Das ist nur durch innovative Technologien möglich. Deshalb arbeiten wir an neuartigen Konzepten und testen sie.

Mit der „Initiative Lärmschutz-Erprobung neu und anwendungsorientiert“ (I-LENA) bauen wir gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) unsere Möglichkeiten beim ortsfesten Lärmschutz aus. Gestartet im April 2016, schafft I-LENA die Voraussetzung, um fortschrittliche Ideen und Produkte zu testen.

Über 50 Ideen wurden seit Beginn von I-LENA eingereicht. Die ausgewählten Technologien decken dabei ein breites Spektrum ab. Noch bis Ende 2020 werden knapp 30 Innovationen unter Praxisbedingungen im Einsatz getestet. Bedingung für die Hersteller: ein anwendungsreifer Prototyp sowie die bautechnische Erprobungszulassung. Ein gewisser Innovationsgrad, der zum Beispiel die Wirtschaftlichkeit erhöht oder den Einfluss auf die Landschaft verringert, gilt ebenfalls als Kriterium.

Bei der Auswahl der Teststrecken wird primär auf gute akustische Messbedingungen geachtet – also auf freie Schallausbreitung und ein Minimum an störenden Hintergrundgeräuschen. Darum finden die Tests auch auf der „grünen Wiese“ statt und werden nach Abschluss wieder entfernt.

Maßnahmen zum Lärmschutz

Zum Schutz der Anwohner:innen vor Lärm durch vorbeifahrende Züge werden aktive und passive Maßnahmen umgesetzt. Als aktiv bezeichnet man dabei Maßnahmen direkt am Gleis oder im Ausbreitungsweg wie z.B. Schallschutzwände. Passive Maßnahmen werden hingegen an Gebäuden umgesetzt.

Schalldämmlüfter sorgen auch bei geschlossenen Fenstern für eine ausreichende Belüftung der Räume und gleichzeitig für eine Minderung der Schienenverkehrsgeräusche im Innenraum.

Schallschutzfenster reduzieren den Schienenverkehrslärm in Innenräumen durch verbesserte schalldämmende Eigenschaften gegenüber herkömmlichen Fenstern. Sie werden in die betroffenen Gebäude eingebaut.

Schienenschmiereinrichtungen helfen dabei, das Kurvenquietschen in engen Gleisbögen zu mindern. Sie befinden sich direkt am Gleis und tragen bei der Zugdurchfahrt ein biologisch abbaubares Schmiermittel auf die Schiene auf.

Gabionenwände sind mit Natursteinen befüllte Drahtkörbe, die im Vergleich zu Schallschutzwänden aus Aluminium je nach Örtlichkeit einen zusätzlichen gestalterischen Nutzen bringen können.

Schienenstegdämpfer sind Elemente aus Gummi oder Stahl, die an den Seiten der Schienen montiert werden und die Schwingungen der Schiene dämpfen. So kann der Luftschall ausgehend von der Schiene reduziert werden. Sie können in Ergänzung zu anderen Schallschutzmaßnahmen verbaut werden.

Niedrige, gleisnahe Schallschutzwände werden unmittelbar am Gleis errichtet und haben eine Höhe von bis zu 74 Zentimetern. Weil durch sie Sicht und Lichteinfall nicht eingeschränkt werden, erhöht sich die Akzeptanz bei den Anwohner:innen. Jedoch können sie hohe Schallschutzwände hinsichtlich ihrer Wirkung nicht gleichwertig ersetzen.

Schallschutzwände stehen entlang der Gleise und bestehen meist aus Aluminium. Ihre Höhe beträgt in der Regel zwischen zwei und vier Metern.

Niedrige Schallschutzwände, die nah am Gleis montiert sind, können den Schall je nach topografischen Verhältnissen deutlich reduzieren. Sogenannte Schienenschmiereinrichtungen schmieren ganz automatisch die Gleise und reduzieren die Quietschgeräusche der Züge in den Kurven. Auch mobile Schallschutzwände für Baustellen sowie innovative Schienenschleifverfahren werden getestet.

Neben Weiterentwicklungen bekannter Technologien erproben wir auch völlig neue Ansätze zur Lärmminderung. So sollen zum Beispiel Aufsätze für Schallschutzwände durch unterschiedliche physikalische Effekte die Ausbreitung von Luftschall weiter mindern. Ziel ist es, die Höhe von Schallschutzwänden bei gleicher Lärmminderung zu reduzieren, um so den Eingriff in das Landschaftsbild möglichst gering zu halten.

Eine niedrige Schallschutzwand an einer Bahnstrecke
Niedrige Schallschutzwände können den Schall reduzieren

Das BMVI übernimmt die Kosten, wir bauen die Technologien ein. Mit Investitionen von insgesamt rund zehn Millionen Euro fördert I-LENA den Ideenwettbewerb im Lärmschutz und beschleunigt die Entwicklung anwendungsreifer und marktfähiger Produkte.

Viele der Ideen, die im Rahmen von I-LENA erprobt werden, können bald in die Praxis umgesetzt werden. Sie werden den Schienenverkehrslärm senken und die Akzeptanz der Schiene weiter erhöhen.